Die Krise in Zahlen
Eine Wohnung kostet heute fast dreimal so viel wie vor zehn Jahren
Die Löhne sind zurückgeblieben, öffentlichen Wohnraum gibt es kaum, und Hunderttausende Wohnungen stehen leer. Hier sind die Zahlen, mit Quellen – damit niemand behaupten kann, wir würden übertreiben.
Acht Zahlen, die die Krise erklären
+180%
Anstieg der Hauspreise von 2015 bis 2025, der zweithöchste in der EU. EU-Durchschnitt: +65 %.
Eurostat, 2026
+16,5%
Anstieg der Hauspreise in nur einem Jahr (2. Quartal 2026 gegenüber 2025). Im 1. Quartal war es der stärkste Anstieg in der EU.
INE, Hauspreisindex
17,42 €/m²
beträgt die Medianmiete bei neuen Verträgen in Lissabon, in Porto sind es 14,60 €. Landesweit liegt der Median erstmals über 10 €/m².
INE, 2026
920 €
beträgt der Brutto-Mindestlohn 2026 (rund 819 € netto). Eine 70-m²-Wohnung mit zwei Schlafzimmern kostet in Lissabon rund 1.220 € im Monat.
Gesetzesdekret 139/2025
723 215
leere Wohnungen, 12,1 % des Wohnungsbestands. In den Großräumen Lissabon und Porto stehen 136.000 davon weder zum Verkauf noch zur Miete.
INE, Zensus 2021
≈2%
der Wohnungen sind öffentlicher Wohnraum – einer der niedrigsten Werte in Europa, nach Jahrzehnten ohne Investitionen.
ISCTE, 2025
28,9 Jahre
sind junge Menschen im Schnitt alt, wenn sie bei den Eltern ausziehen. EU-Durchschnitt: 26,2.
Eurostat, Daten von 2024
1447
Räumungstitel wurden 2025 ausgestellt, 44 % mehr als im Vorjahr, bei 2.562 Anträgen auf Schnellräumung.
Justizministerium, via Público
Wie es so weit kam
Die Krise wurde gemacht. Sie lässt sich auch beenden.
Wohnen wurde zur Geldanlage
Jahrelang lockten Golden Visas und Steuervorteile für neue Einwohner*innen Kapital in den Immobilienmarkt. Golden Visas für Immobilien gibt es seit 2023 nicht mehr, aber Wohnraum gilt weiter als sicherer Hafen fürs Geld – und die Preise folgen den Investoren.
Touristifizierung
In den Altstädten von Lissabon und Porto haben ganze Häuser ihre Bewohner*innen verloren und wurden zu Ferienwohnungen. Jede Wohnung, die zur Ferienwohnung wird, fehlt denen, die in der Stadt arbeiten.
Ein Staat, der sich verabschiedet hat
Der öffentliche Wohnungsbau ist von rund 4.500 Wohnungen pro Jahr (1970–1984) auf rund 278 pro Jahr (2010–2014) eingebrochen. Ohne öffentlichen Wohnraum bestimmt der Markt den Preis ganz allein.
Zu wenig gebaut – und nicht für uns
Schätzungen zufolge braucht es 45.000 bis 50.000 neue Wohnungen pro Jahr, fertig werden aber nur 25.000 bis 30.000. Und vieles, was gebaut wird, kostet weit mehr, als man vor Ort verdient.
Abgehängte Löhne
Von 2015 bis 2025 sind die Hauspreise um 180 % gestiegen. Im selben Zeitraum stieg der Mindestlohn um 72 %, von 505 € auf 870 €. Die Wohnkosten sind mehr als doppelt so stark gestiegen wie die niedrigsten Löhne.
Leerstand und Spekulation
Der Zensus 2021 zählte 723.215 leere Wohnungen. Viele sind verfallen, aber allein in den Großräumen Lissabon und Porto stehen rund 136.000 weder zum Verkauf noch zur Miete.
Chronik
Was sich am Gesetz geändert hat
2006
NRAU, das neue Mietrecht
Das Gesetz 6/2006 (NRAU) legt die heutigen Regeln für Vertragsdauer, Mieterhöhungen und das Ende von Mietverhältnissen fest.
2009
Steuerprivileg für Zugezogene
Das Gesetzesdekret 249/2009 (Regelung für „nicht gewöhnlich Ansässige“) gewährt allen, die nach Portugal ziehen, zehn Jahre niedrige Steuern. Es erhöht den Preisdruck in den Großstädten und wird 2024 für Neuzugänge geschlossen.
2012
Golden Visas
Das Gesetz 29/2012 gibt allen eine Aufenthaltserlaubnis, die Immobilien ab 500.000 € kaufen. Bis 2023 wird die große Mehrheit dieser Visa für den Kauf von Wohnungen vergeben.
2012
Das „Mietgesetz“
Das Gesetz 31/2012 erleichtert Erhöhungen alter Mieten und Räumungen und schafft ein Schnellverfahren für Räumungen. Seine Abschaffung fordern die Protestcamps.
2014
Ferienwohnungen
Das Gesetzesdekret 128/2014 schafft den Rechtsrahmen für Ferienwohnungen („alojamento local“). Ganze Häuser in Lissabon und Porto verschwinden vom Wohnungsmarkt.
2019
SIGI
Das Gesetzesdekret 19/2019 schafft die SIGI, börsennotierte Immobiliengesellschaften, die Wohnungen zum Vermieten kaufen und wie Investmentfonds besteuert werden.
2019
Mieterschutz und Rahmengesetz
Die Gesetze 12/2019 und 13/2019 verbieten Schikane gegen Mieter*innen und machen Verträge stabiler. Das Gesetz 83/2019 erkennt Wohnen als Grundrecht an. Vieles davon ist bis heute nicht umgesetzt.
2023
Das Paket „Mais Habitação“
Das Gesetz 56/2023 begrenzt Mieterhöhungen bei Neuvermietung bereits vermieteter Wohnungen auf 2 %, schafft die Golden Visas für Immobilien ab und greift bei Ferienwohnungen und Leerstand ein.
2024
Neues Bodengesetz
Das Gesetzesdekret 117/2024 erlaubt, Agrarland in Bauland umzuwandeln, um Wohnungen zu bauen – im Rahmen des Regierungsprogramms „Construir Portugal“.
2026
Schnellere Räumungen: noch kein Gesetz
Der Regierungsentwurf 103/XVII kippt die 2-%-Grenze bei neuen Verträgen und beschleunigt Räumungen wegen Mietschulden. Er wurde am 30. September in erster Lesung angenommen, mit den Stimmen von PSD, IL und CDS und bei Enthaltung von Chega, und wird jetzt im Ausschuss beraten. Noch können wir ihn stoppen.
Die vollständige Liste der Wohnungsgesetze, mit Links zum Diário da República (dem Amtsblatt), findest du auf der Website der ILC pela Habitação (auf Portugiesisch).
Quellen
Daten zuletzt geprüft im Oktober 2026. Wenn du einen Fehler findest oder neuere Zahlen hast, sag uns Bescheid.
- INE, Instituto Nacional de Estatística (portugiesisches Statistikamt): Hauspreisindex, Mieten bei neuen Verträgen, Zensus 2021
- Eurostat: Hauspreisindex, Alter beim Auszug aus dem Elternhaus
- PORDATA: historische Datenreihen zu Wohnen, Löhnen und Bevölkerung
- Verfassung der Portugiesischen Republik, Artikel 65
- Gesetz 83/2019, Rahmengesetz für das Wohnen
- Portal da Habitação (IHRU): öffentliche Programme und das Nationale Wohnungsprogramm
Wohnen ist ein Recht.
Holen wir es uns.
Schließ dich denen an, die sich schon in Häusern, Vierteln und Betrieben im ganzen Land organisieren.